| von Eckhart Arnold | Inhaltsverzeichnis |
Föderalistische Auffassungen vom Aufbau der Gesellschaft und des Staates waren unter den Denkern des ausgehenden Mittelalters durchaus verbreitet. Sie standen meist im Zusammenhang mit bestimmten theologischen Ideen, insbesondere mit der Vorstellung des Weltganzen als eines hierarchisch gerodneten, vielfach geschichteten Kosmos. Durch die Reformation erhielt der Föderalismusgedanke - vertreten vor allem durch die Gruppe der Föderaltheologen - wesentlichen Auftrieb, mußten sich doch die reformierten Fürstentümer des deutschen Reiches gegenüber der katholischen kaiserlichen Oberhoheit behaupten. Aber auch in der politischen Wirklichkeit des 16.Jahrhunderts spielte der Föderalismus eine bedeutende Rolle. Nicht zuletzt baute der Augsbuger Religionsfrieden 1555 mit dem Prinzip des cuius regio eius religio bei gleichzeitiger Anerkennung der beiden Hauptkonfessionen im Reich auf der faktisch vorhandenen föderlistischen Struktur des deutschen Reiches auf. Dieser in die ständische Gesellschaftsordnung des 16.Jahrhunderts eingebette Föderalismus wie er im Deutschen Reich herrschte, ist es, den Johannes Althusius in seinem politiktheoretischen Hauptwerk, der "Politica methodice digesta", ebensowohl empirisch beschreibt wie propagiert.